Wohnen im Alter

Am 11. Februar 2014, in Aktuelles, von Dr. Christine Schwendner

Für Wohnen und Leben steht im Englischen das Wort "live", das zutreffend charakterisiert, dass Wohnen mehr ist als nur eine Adresse mit Straße und Hausnummer. Wohnen bedeutet ein "Zuhause" zu haben. Wohnwunsch-Befragungen von älteren Menschen zeigen, dass für die meisten eine möglichst unabhängige Wohnsituation und selbständige Lebensführung im bisherigen Zuhause wichtig sind. Für die Mehrzahl geht der Wunsch nach einem Verbleiben in der eigenen Wohnung auch weitgehend in Erfüllung. Gleichwohl kann es verschiedene Ursachen geben, die einen Wechsel in eine andere Wohn- oder Versorgungsform erforderlich machen. Viele Wohnungen erweisen sich aus unterschiedlichen Gründen als ungeeignet, um im Alter darin zu leben.

In den vergangenen Jahren hat sich das Wohnangebot für ältere Menschen deutlich erweitert. Zu den Möglichkeiten, im Alter zu Hause zu bleiben oder in ein Heim oder in eine Seniorenwohnung zu ziehen, sind zahlreiche weitere Wohnalternativen hinzugekommen. Folgende Abbildung gibt einen Überblick über Wohnformen für ältere Menschen.

wohnen im alter

 

Abbildung 2: Wohnformen für ältere Menschen

Die meisten älteren Menschen leben zu Hause. In diesem Fall stehen vielfältige unterstützende Dienst- und Beratungsleistungen zur Verfügung, die von Kommunikations-, Bildungs- und Teilhabemöglichkeiten, z.B. in Alten- und Service-Zentren oder Bibliotheken auf Rädern, bis hin zu Tages- und Kurzzeitpflegeangeboten reichen. Zunehmend etablieren sich Quartierskonzepte analog des "Bielefelder Modells". Sie verfolgen das Ziel, im überschaubaren und vertrauten Wohnquartier ein soziales Umfeld zu schaffen, das es auch älteren Menschen und Menschen mit Unterstützungsbedarf ermöglicht, in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben zu können.

Seniorengerechte Wohnungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Regel die Standards des barrierefreien Bauens nach DIN-Norm 18025 erfüllen und somit auch für mobilitätseingeschränkte Personen geeignet sind. Barrierefreie Wohnungen werden häufig von Kommunen in kleiner Anzahl angeboten und sollen älteren Menschen auch dann ein Verbleiben (zumindest am Wohnort) ermöglichen, wenn die bisherige Wohnung nicht mehr den Erfordernissen entspricht.

Unter Seniorenwohngemeinschaften wird eine Wohnform verstanden, in der ältere Menschen gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus leben und neben einem eigenen Wohnbereich einige Räume gemeinschaftlich nutzen. Die Mieterinnen und Mieter organisieren ihr Gemeinschaftsleben selbst und nehmen bei Bedarf analog dem "normalen Wohnen zu Hause" Unterstützungsleistungen in Anspruch.

Intergeneratives oder gemeinschaftliches Wohnen ist dadurch gekennzeichnet, dass sich ältere und jüngere Menschen bereits in der Planungsphase zusammenfinden, um gemeinsam ein entsprechendes Wohnmodell zu realisieren. Weitere Kriterien sind das Vorhandensein entsprechender Gemeinschaftsräume sowie gegenseitige Unterstützung und Hilfe. Es ist allerdings zu beobachten, dass die nachbarschaftliche Hilfe in der Regel nicht die qualifizierte Pflege ersetzen kann.

Den Seniorenwohngemeinschaften ähnlich sind ambulante Hausgemeinschaften. Im Unterschied zu letzteren leben die Mieterinnen und Mieter aber in eigenen, abgeschlossenen Wohnungen und nutzen Gemeinschaftsräume. Analog zu den Seniorenwohngemeinschaften unterstützen sie sich im Bedarfsfall gegenseitig. Weitere Hilfen werden über externe Dienstleister organisiert.

Beim Betreuten Wohnen oder Service-Wohnen werden barrierefreie Wohnungen und Betreuungsleistungen miteinander gekoppelt. Im Regelfall werden in einer speziellen Wohnanlage Wohnungen angemietet oder gekauft sowie eine Grundbetreuung angeboten, für die monatlich eine so genannte Betreuungspauschale zu entrichten ist. Die Grundbetreuung umfasst meist Beratungs- und Informationsleistungen sowie einen Notruf. Zusätzlich werden je nach Bedarf Pflegeleistungen, Reinigungsdienste und Mahlzeiten angeboten. Darüber hinaus stehen Gemeinschaftsräume für Kontaktmöglichkeiten und Veranstaltungen zur Verfügung.

In ambulant betreuten Wohngemeinschaften lebt eine Gruppe älterer Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus. Wie in Wohngemeinschaften üblich, hat jede Mieterin und jeder Mieter einen eigenen Wohn- und Schlafbereich. Küche und Wohnzimmer werden gemeinsam genutzt. Ein konstitutives Merkmal einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft ist es, dass die älteren Menschen selbst als Auftraggeber für Betreuung und Pflege fungieren. Die Betreuungskräfte sind zuständig für die Haushaltsführung und die Organisation des Gruppenlebens. Sie sind abhängig vom jeweiligen Bedarf und meist rund um die Uhr in der ambulant betreuten Wohngemeinschaft tätig. Pflegeleistungen werden durch ambulante Dienste erbracht. Ursprünglich wurde diese Wohnform für Menschen mit Demenzerkrankungen entwickelt, mittlerweile haben sich jedoch auch ambulant betreute Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Ältere etabliert und stellen eine gute Alternative zu den traditionellen Pflegeeinrichtungen dar.

In Alten- und Pflegeheimen werden meist chronisch kranke und/oder ältere Menschen mit einer Demenzerkrankung betreut, die dauerhaft Pflege und Unterstützung benötigen. In den Einrichtungen, die dem Heimrecht unterliegen, wird neben Unterkunft und Verpflegung eine 24-Stunden-Betreuung und Pflege "aus einer Hand" gewährleistet. Konzeptionelle Weiterentwicklungen in Pflegeheimen stellen auch Hausgemeinschafts- oder Wohngruppenkonzepte dar, die sich stärker am Leitbild der Familie orientieren und kleine Wohn- und Betreuungseinheiten vorsehen. Bei den konzeptionellen Weiterentwicklungen sind ebenfalls sogenannte Pflegeoasen zu nennen. Sie haben zum Ziel, älteren Menschen mit und ohne Demenzerkrankungen die Teilnahme an der Gemeinschaft zu ermöglichen. Das soll insbesondere durch ein spezielles Raumprogramm gewährleistet werden, in dem in der Regel sechs bis acht Personen in einem großen Raum zusammen leben. Auch Seniorenresidenzen oder Wohnstifte zählen in der Regel zu den vollstationären Einrichtungen. Sie unterscheiden sich von herkömmlichen Alten- und Pflegeheimen dadurch, dass sie im hochpreisigen Marktsegment angesiedelt sind und über ein Ambiente verfügen, das an luxuriöse Hotels angelehnt ist. Selbst wenn diese Einrichtungen in der Außendarstellung oft Bilder aktiver, wohlhabender, gesunder und gebildeter, älterer Menschen verwenden, leben in ihnen heute ebenfalls überwiegend ältere Menschen mit Unterstützungs- und Betreuungsbedarf.

FAZIT: Das Leben im Alter ist bunt. Für ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ist deshalb eine Vielfalt von Angebots- und Unterstützungsstrukturen notwendig, damit ältere Menschen Wahlmöglichkeiten haben und entsprechend ihren jeweiligen Bedürfnissen und Wünschen leben können.

Buch_Christine_Schwendner

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One Response to Wohnen im Alter

  1. Bernhard Hufi sagt:

    Sehr informativer Beitrag. Arbeite selber bei einem Bauträger in München und da sind solche Artikel immer auch sehr interessant zu lesen!

    Danke und Gruß!

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