Steuerrecht

Grundsätzlich löst jeder unentgeltliche Erwerb eine Steuerpflicht aus. Bei einem Erwerb von Todes wegen entsteht die Erbschaftssteuer, bei einem Erwerb unter Lebenden entsteht die Schenkungssteuerpflicht. Beide Steuerpflichten sind weitgehend ähnlich ausgestaltet. Ob und in welchem Umfange die Steuerpflicht entsteht hängt im Einzelfall davon ab, wo die Beteiligten ihren Wohnsitz haben, wie ihre verwandtschaftliche Beziehung ist und welchen Wert das übertragene Vermögen hat.

Ein Beschenkter oder Erbe hat grundsätzlich einen persönlichen Freibetrag. Überschreitet das erworbene Vermögen den Betrag nicht, so fällt keine Steuer an. Übersteigt das geschenkte oder ererbte Vermögen den Freibetrag, so ist jeweils der übersteigende Wert zu versteuern.

Der Freibetrag steht nur einmal in 10 Jahren zur Verfügung. Deshalb werden alle Erwerbe zwischen dem Erblasser/Schenker und dem Erben/Beschenkten, innerhalb von 10 Jahren zusammengerechnet. Die Höhe des jeweiligen Freibetrages hängt davon ab, wie sich die Verwandtschaftsbeziehung der Beteiligten ausgestaltet. Je enger die Verwandtschaft ist, desto höher ist der Freibetrag:

Die Höhe des jeweiligen Freibetrages hängt von der Verwandtschaftsbeziehung der Beteiligten ab:

500.000 EUR

für den Ehepartner und den eingetragenen Lebenspartner

400.000 EUR

für Kinder und Stiefkinder

400.000 EUR

für Enkelkinder, wenn der die Verwandtschaft vermittelnde Elternteil (also das Kind des Erblassers) bereits verstorben ist

200.000 EUR

für alle anderen Enkel und Stiefenkel

100.000 EUR

für Urenkel

100.000 EUR

für Eltern und Großeltern im Erbfall

20.000 EUR

für Eltern und Großeltern im Schenkungsfall, für Geschwister, Neffen und Nichten, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern und den geschiedenen Ehepartner

20.000 EUR

für alle übrigen Erwerber

Neben den Freibeträgen kann es weitere Steuerbefreiungen geben.

Für den Privatmann besonders interessant ist, dass einem überlebenden Ehegatten, der im gesetzlichen Güterstand mit dem Erblasser verheiratet war, ein weiterer Freibetrag in Höhe des rechnerischen Zugewinnausgleichs zusteht.

Das selbstgenutztes Wohneigentum kann steuerfrei sein, sofern der Erbe die Nachlassimmobilie 10 Jahre lang nicht verkauft, vermietet oder verpachtet, sondern selbst bewohnt. Das gilt in vollem Umfang für den erbenden Ehegatten bzw. eingetragenen Lebenspartner. Bei erbenden Kindern und deren Abkömmlingen ist die Steuerbefreiung begrenzt auf eine Wohnfläche von 200 m². Eine darüber hinausgehende Wohnfläche muss versteuert werden.

Auf die Steuerbefreiungen von Unternehmern soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Hierzu werden Sie in Kürze einen Artikel in unserem Blogg finden.

Steuerklassen und Steuersätze

Soweit Freibeträge überschritten sind und keine Steuerbefreiungen vorliegen greifen die Steuersätze, die sich nach den Steuerklassen richten:

Steuerklasse I

  • Ehegatte und eingetragene Lebenspartner
  • Kinder und Stiefkinder
  • Abkömmlinge der Kinder und Stiefkinder (also Enkel, Urenkel etc.)
  • Eltern und Voreltern (Großeltern, Urgroßeltern etc.), jedoch nur im Erbfall (ansonsten Steuerklasse II)

Steuerklasse II

  • Geschwister
  • Nichten und Neffen
  • Eltern und Voreltern im Fall der Schenkung
  • Stiefeltern
  • Schwiegersöhne und Schwiegertöchter
  • Schwiegereltern
  • geschiedene Ehegatten

Steuerklasse III

  • alle übrigen Erwerber (auch der nichteheliche Lebensgefährte)


Abhängig von der jeweiligen Steuerklasse ergibt sich somit folgende Besteuerung

Wollen Sie die Erbschaftsteuerbelastung gering halten, so stehen vielfältige vom Steuergesetzgeber vorgesehene Möglichkeiten zur Verfügung. So kann z. B. der persönliche Freibetrag unter Umständen öfter ausgeschöpft werden oder der Wert des zu übertragenden Vermögens kann durch Belastungen gemindert werden.

Bei jeglicher Gestaltung muss jedoch sorgfältig zwischen den Steuervorteilen und Absicherung des Übertragenden sein Alter abgewogen werden. Dies ist Ziel und Anspruch der steuerlichen Gestaltung.

Nähere Ausführungen hierzu und praktische Beispiele lesen Sie in wechselnden Beiträgen unseres Blogs.
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