Erbrecht

Jeder informiert sich vor einem Haus- oder Autokauf genauestens, worauf er zu achten hat und was für ihn vorteilhaft ist. Beim Heiraten und Vererben machen wir uns alle wenig Gedanken, über die damit verbundenen Rechtsfolgen. Dies ist erstaunlich, da die Wirkungen große Teile des Vermögens erfassen und zu erheblichem Streit führen können.

Wenn Sie sich diese Kurzinformation durchgelesen haben, dann erhalten Sie bereits einen ersten Eindruck, welche gesetzlichen Regelungen gelten und wie Sie diese Ihren ganz persönlichen Interessen gemäß anpassen können. Mein dringender anwaltlicher Rat ist, dass Sie sich frühzeitig mit den Themen des Ehevertrags, des Erbrechts und des Erbschaftssteuerrechts befassen sollten, am besten schon bei der Familiengründung. Perfekt wäre, wenn Sie sich in diesem Zuge auch mit der Erwerbs-, Berufsunfähigkeitsrente und der Risikolebensversicherung befassten, so dass die Familie in jedem Falle finanziell abgesichert ist. Dies gilt ganz besonders auch für junge Familien, in denen in der Regel der Vermögensbildung noch Schulden gegenüberstehen, einer der Hauptverdiener ist und der andere die Kinder betreut.

Speziell im Erbrecht dürften Sie die drei Hauptfragestellungen interessieren, die ich nachfolgend beantworten will.

  1. Wer ist der Erbe?
  2. Welche Rechtstellung hat der Erbe?
  3. Wie wird der Nachlass zwischen den Erben aufgeteilt und wer hat in der Erbengemeinschaft das Sagen?

Falls Sie bislang weder ein Testament noch einen Erbvertrag errichtet haben, so gilt die gesetzliche Erbfolge. Ihr zur Folge wird innerhalb der Verwandtschaft in der Reihenfolge der sogenannten „gesetzlichen Ordnungen“ vererbt.

Die Erben der Ersten Ordnung sind die Kinder des Erblassers.

Die Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.

Die Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.

Die Erben der vierten Ordnung sind die Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmling.

Die Erben einer früheren Ordnung schließen die Erben einer nachfolgenden Ordnung aus und erben grundsätzlich untereinander zu gleichen Teilen.

Neben dem gesetzlichen Erbrecht nach Ordnungen steht das gesetzliche Erbrecht des Ehegatten. Der Ehegatte erbt im Regelfall ½ neben den Kindern, falls kein Ehevertrag mit einem besonderen Güterstand vereinbart wurde. Die Kinder ihrerseits erben die andere Hälfte nach Kopfteilen. Sind drei Kinder vorhanden, so erbt jedes Kind beispielsweise 1/6 des Nachlasses.

Wird der Ehegatte oder ein Kind enterbt, so kann der Enterbte den sogenannten Pflichtteil beanspruchen, welcher ein Geldanspruch in der Höhe des hälftigen Erbanteils ist.

Der Erbe rückt vollständig in die Rechtstellung des Erblassers ein, mit der Folge, dass der Erbe grundsätzlich auch mit seinem eigenen Vermögen und nicht nur beschränkt auf den Nachlass für die Schulden des Erblassers haftet. Der Erbe steht damit in den Rechten und den Pflichten dem Verstorbenen gleich.

Sollte die Erbschaft überschuldet sein, so können Sie diese innerhalb von sechs Wochen von Kenntnis des Todesfalles an gegenüber dem Nachlassgericht ausschlagen. Die Ausschlagung ist formgebunden und muss beim Nachlassgericht oder vor einem Notar erklärt werden und rechtzeitig dem Nachlassgericht zugehen. Auch die dann nachrückenden Erben müssen ausschlagen; vor allem minderjährige Kinder vertreten durch ihre Eltern.

Wird das Erbe angenommen und ist testamentarisch nichts geregelt, so bilden die Erben kraft Gesetzes eine sogenannte Erbengemeinschaft, die nur miteinander und einvernehmliche über jeden einzelnen Nachlassgegenstand verfügen kann. Die Erbengemeinschaft kann sich einvernehmlich auseinandersetzen, indem die Nachlassgegenstände wertmäßig aufgeteilt werden oder veräußert werden und der Veräußerungserlös geteilt wird. Gibt es keine Einigung, kann der Nachlass teilungsversteigert und der Erlös geteilt werden.

Im Ergebnis führt das gesetzliche Erbrecht zu angemessenen, jedoch nicht zu individuell maßgeschneiderten Lösungen. Insbesondere tritt häufig, der vom Erblasse nicht gewünschte Fall ein, dass sein Lebenswerk zerschlagen wird und die Erben streiten. Dies stört den Familienfrieden und ist auch wirtschaftlich oft außerordentlich nachteilig.

Lösungen
Durch ein Testament oder einen Erbvertrag können Sie den Gang des Erbes über mindestens zwei Generationen vorbestimmen, den Ehegatten speziell schützen, eine Teilungsanordnung treffen und die Zerschlagung des Erbes in kostspieligen nervenaufreibenden Streitigkeiten verhindern.

Als Fachanwältin für Familienrecht liegen wir natürlich auch Patch-Work-Familien und die besonderen erbrechtlichen Konstellationen am Herzen. Wer will denn schon, dass die Ex-Frau mit einem minderjährigen gemeinsamen Kind in die Erbengemeinschaft „mitregiert“ oder gar noch selbst durch Schicksalsfälle zum Erben wird? Bei einer Patch-Work-Konstellation tut Beratung wirklich Not.

Mein anwaltlicher Rat geht deshalb ganz klar zu einer individuellen Gestaltung durch Testament oder Erbvertrag flankiert durch eine steuerrechtliche Beratung.

Zu Einzelfragen des Erbrechts äußere ich mich im Blogg. Dort finden Sie immer wieder neue Beiträge zu Pflichtteilsrecht, Testamentsvollstreckung etc. Im Laufe der Zeit können Sie so einen guten Überblick darüber gewinnen, was eine anwaltliche Beratung im Erbrecht leisten kann.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre und viele Anregungen und Antworten auf Ihre ganz individuellen Fragen. Gerne können Sie mich auch bei den angekündigten Veranstaltungen persönlich kennenlernen und befragen.
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  Autorin – Christine Nehls
  1. Vorsitzende
  Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familien- und Erbrecht

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